Polizei darf Medien nicht behindern

19. August 2018

Eine Polizeiaktion vom Donnerstag der vergangenen Woche sorgt inzwischen bundesweit für Wirbel. Unter der Überschrift: „ZDF-Team beklagt Schikane“ und „Polizei hält Journalisten bei Anti-Merkel-Demo fest“ wird bei t-online die Gesamtsituation inklusive des ersten Protestes seitens des DJV Sachsen geschildert.

Die Betroffenen veröffentlichen am Samstag ein Video. Daraufhin twittert Sachsens Ministerpräsident: „Die einzigen Personen, die in diesem Video seriös auftreten, sind Polizisten. Der Vorfall wird ohne Frage aufgeklärt. Der Polizeipräsident hat auch schon angeboten mit den betroffenen Journalisten zu sprechen…“

Nach dieser Äußerung setzt sich der DJV Sachsen mit den Betroffenen in Verbindung und prüft den Sachverhalt. Das Ergebnis: Den Medienvertretern ist nichts vorzuwerfen. Noch am Samstagabend twittert der sächsische DJV: „Die Einsichtnahme der Belege bestätigt: Unsere Kollegen haben sich hochprofessionell verhalten. Fragen wirft dagegen das Verhalten der Polizeibeamten auf. Das muss aufgeklärt werden.“

Inzwischen gibt es zahlreiche tweets und Stellungnahmen. Auch das ZDF fordert Aufklärung (dpa-tweet oben)! Fakt ist, hier besteht nicht nur Erklärungs- sondern auch erheblicher Veränderungsbedarf. Der DJV Sachsen fordert seit langem, dass sächsische Polizeibeamte besser über die Rechte von Medienvertretern aufgeklärt werden. Und er fordert den besseren Schutz von Journalisten bei Demonstrationen. Dazu gehört eben nicht, die Medien vom Handlungsgeschehen fernzuhalten, sondern ihnen die Voraussetzungen zu schaffen, dass sie sicher und frei berichten können.

 

Advertisements

Deutsch-Tschechischer Journalistenpreis zum dritten Mal ausgeschrieben

18. Mai 2018

Die Ausschreibung für den dritten Jahrgang des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises hat begonnen. Bewerbungen können bis zum 30.6.2018 eingereicht werden.

Prämiert werden die besten deutschsprachigen und tschechischsprachigen Beiträge aus den Kategorien Text, Audio und Multimedia. Mit dem Sonderpreis „Milena Jesenská“ wird darüber hinaus ein deutscher oder tschechischer Beitrag ausgezeichnet, der sich in herausragender Weise mit den Themen Zivilcourage, multikulturelle Verständigung und Toleranz beschäftigt und einen aktuellen Gegenwartsbezug besitzt.

Die Ausschreibung sowie weitere Informationen finden Sie im Internet unter:
www.deutsch-tschechischer-journalistenpreis.de

Den Rest des Beitrags lesen »

Die besten sächsischen Pressefotos

16. Mai 2018

Eine böse Überraschung wird für den Dresdner Fotografen Eric Münch zum Glücksmoment. Denn sein Schnappschuss, der ihm auf der Dresdner CDU-Wahlparty im letzten September gelang, siegt beim diesjährigen Wettbewerb um das beste sächsische Pressefoto 2017. Eine Fachjury entschied sich unter 228 Fotos von 53 Fotografen genau für diese ungewöhnliche Aufnahme.

Aus den Gesichtern der CDU-Anhänger liest sich auch Monate später noch die Entgeisterung, die die Protagonisten dieses Fotos gefühlt haben müssen, als in der Kneipe Red Rooster in Dresden die ersten Prognosen auf den Bildschirmen laufen. Der junge Dresdner Fotograf hat damit einen der wichtigsten Momente der sächsischen Landespolitik des letzten Jahres abgelichtet.

Neben dem besten sächsischen Pressefoto wurden am Mittwoch Abend (16. Mai) in der Dresdner Altmarkt-Galerie die Gewinner in vier weiteren Kategorien gekürt: Lokales, Reportage/ Fotoserie, Porträt und Sport. Dass er einen guten Riecher für großartige Fotos hat, bewies Hendrik Schmidt zum wiederholten Mal. Mit Teleobjektiv und viel Geduld wartet er bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Leipzig gegenüber der Sprunggrube und fängt so Weitspringern Luisa Boden im perfekten Sandsturm ein. Der Leipziger Fotograf Christoph Busse war mit seiner Kamera in einem Künstleratelier. Michael Triegel arbeitet an einem Altar für eine Kirche in Bamberg. Nur, wenn man ganz genau schaut, entdeckt man den Meister im Spiegel. Damit gewinnt auch in der Kategorie Porträt das Ungewöhnliche. Und die ausgezeichnete Fotoserie reiht sich darin ein. Denn Senioren gehören nicht unbedingt zur meistfotografierten Altersgruppe. Umso erstaunlicher, dass es gleich drei Damen und zwei Herren aus dem Ambulanten Pflegezentrum Dresden-Gorbitz-Cotta in die Dresdner Morgenpost und auf das Siegerpodest schaffen. Dank der einfühlsamen Inszenierung durch den schon prämierten Fotografen Eric Münch. Im Lokalen gelang Eberhard Mädler das Siegerfoto, der Federvieh auf der Flucht vor Flammen fotografierte. Diesen Preis stiftet zum zweiten Mal der DJV Sachsen. Seit Anfang an dabei ist die Sächsische Zeitung, die diesen Wettbewerb 1998 ins Leben rief. Seit 2013 wird er auch von der Chemnitzer Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung unterstützt.

Fotos: Eberhard Mädler, Eric Münch (oben),

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr einen Publikumspreis. Zur Abstimmung stehen 141 Arbeiten in der Ausstellung. Für Ihr Lieblingsfoto können Sie im Internet bei sz-online, hier steht eine Auswahl zur Verfügung, oder in der Ausstellung in der Dresdner Altmarkt-Galerie abstimmen. Die Schau der besten Pressefotos ist bis 2. Juni geöffnet, von Montag bis Samstag jeweils 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Galerie mit allen Preisträgern und den besten sächsischen Pressefotos unter www.sz-link.de/Blickpunkt

Der DJV Sachsen hat einen neuen Vorstand

5. Mai 2018

Im Zwei-Jahres-Rhythmus finden regelmäßig die Mitgliederversammlungen des DJV-Landesverbandes Sachsen statt. Am 5. Mai 2018 trafen sich die Mitglieder in Leipzig, um einen neuen Landesvorstand zu wählen und um über eine neue Beitragsordnung abzustimmen.

Der Vorstand ist gewählt und an seiner Spitze steht weiterhin die Leipziger Rundfunkjournalistin Ine Dippmann. Stellvertretende Vorsitzende sind Lars Radau und Jana Mundus. Zum Schatzmeister wurde Holger Grigutsch gewählt. Beisitzer im neuen Landesvorstand sind Katalin Vales, Alexander Grunow und Anja Mutschler. Nicht mehr dem Vorstand gehören an: Axel Arlt, Gisela Bauer, Dr. Jürgen Schlimper und Hartmut Weiße. Die anwesenden Mitglieder dankten den bisherigen Vorstandsmitgliedern, die nicht wieder zur Wahl antraten, mit kräftigem Beifall.

Die Mitgliederversammlung, die in der Sächsischen Anstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) stattfand, beschloss eine neue Beitragsordnung, die an die Verdienstsituation besser angepasste Beitragssätze fixiert. Die Haushaltspläne für die Jahre 2018 und 2019 wurden bestätigt. Im Rahmen der Entlastung des Vorstandes wurden die Berichte der Vorsitzenden, der Bericht des Schatzmeisters, der Bericht der Rechnungsprüfer sowie der Geschäftsbericht bestätigt.

Gewählt wurden auch die Delegierten für die Bundesverbandstage 2018 und 2019

Teil 1 der Mitgliederversammlung war am Vormittag eine Diskussionsrunde zur Qualität im Privatfunk. Mit Moderatorin Ine Dippmann diskutierten Sophie Rauch (mephisto), Prof. Rüdiger Steinmetz (SLM) und Christian Bollert (detektor.fm).

Weitere Informationen zur Beitragsordnung

Mitgliederversammlung wählt neuen Vorstand

5. Mai 2018

Die Mitglieder des DJV-Landesverbandes Sachsen sind heute zur Vollversammlung ihrer Interessenvertretung nach Leipzig eingeladen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wahl des Landesvorstandes für die kommenden vier Jahre. Vorsitzende Ine Dippmann, freie Rundfunkjournalistin beim MDR, will erneut kandidieren. Vier weitere Mitglieder des aktuellen Vorstandes wollen sich nicht wieder der Wahl stellen. Dem Landesvorstand gehören insgesamt sieben Mitglieder an.

Am Vormittag gibt es im Haus der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) zunächst eine Diskussionsrunde zur Qualität des Journalismus im Privatfunk mit Sophie Rauch (mephisto), Prof. Rüdiger Steinmetz (SLM) und Christian Bollert (detektor.fm). Der Nachmittag gehört dann der Aussprache zu den vorgelegten Berichten und der Diskussion aktueller Themen. Der amtierende Landesvorstand hat einen Antrag für eine neue Beitragsordnung vorgelegt über die die Mitglieder abstimmen werden. Mit der Wahl des Landesvorstandes, der Fachausschussvertreter und der Delegierten für die kommenden zwei Bundesverbandstage geht die Mitgliederversammlung am Nachmittag zu Ende.

Dem Deutschen Journalisten-Verband gehören in Sachsen gegenwärtig 1200 Journalistinnen und Journalisten an. Sie sind in Tageszeitungen, beim Mitteldeutschen Rundfunk, in anderen elektronischen Medien sowie in Pressetellen von Wirtschaft, Kultur und Verwaltung des Freistaates tätig. Rund 50 Prozent der Mitglieder sind Freiberufler.

Zusammenarbeit mit Tradition

2. Mai 2018

Es wird viel diskutiert im DJV. Über die Zukunft, über die Mitglieder, die Strukturen und das Geld. Der DJV leidet unter einer Mitgliederentwicklung. die trotz vieler neuer Mitglieder insgesamt deutlich rückläufig ist. Nachdem im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts die Mitgliedschaft rasant zunahm, geht es seit 15 Jahren extrem in die andere Richtung. Der DJV ist seit der Jahrtausendwende um ein Viertel geschrumpft: Die allgemeine Mediennutzung, wirtschaftliche Probleme in der Medienwirtschaft, die demografische Entwicklung. Hinzu kommt die aktuelle Struktur der Mitgliedschaft. Im DJV Sachsen liegt der Altersdurchschnitt momentan bei 50 Jahren. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig und logisch darüber nachzudenken, wie sich der DJV aufstellen muss, um sich insgesamt zu stabilisieren und für potenzielle Mitglieder attraktiv zu bleiben.

Diskutiert werden immer wieder veränderte Strukturen. Und da gehen die Vorstellungen, was damit eigentlich gemeint ist, weit auseinander. Wie soll aus den „veralteten“ föderalen Strukturen, die sich auch in den Gremien auf Bundesebene widerspiegeln, ausgebrochen werden, wenn schon kleine Kooperationen zwischen Nachbarverbänden kompliziert sind. Zu unterschiedlich haben sich die Landesverbände des DJV in den zurückliegenden Jahrzehnten entwickelt. Allein die drei benachbarten Verbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben in den 25 Jahren seit ihrer Gründung im Jahr 1990 sehr unterschiedliche Entwicklungen genommen. Neben den jeweils agierenden Personen in den Vorständen und sonstigen Gremien , Regularien, wie der Beitragsgestaltung ist dies auch in den breit gefächerten Mitgliederzahlen begründet. Von einst fast     Mitgliedern sind in den drei Landesverbände heute lediglich rund 2300 verblieben. Die Hälfte davon gehören dem DJV im Freistaat Sachsen an.

Im Jahr 2014 ergab sich für die Verbände in Sachsen und Sachsen-Anhalt eine Möglichkeit enger zusammenzuarbeiten. In Sachsen-Anhalt fehlte ein Geschäftsführer. Sachsen half aus. Und so wurde nach und nach die Kooperationsform einer virtuellen gemeinsamen Geschäftsstelle entwickelt und zunehmend gelebt. Dabei stehen die etwas größeren Kapazitäten der Geschäftsstelle in Dresden auch Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt zur Verfügung. Auf Verwaltungsebene rückten die Verbände zusammen, als eingetragene Vereine blieben sie unabhängig und föderal in ihrem Bundesland verankert. Konkret sieht das so aus, dass von den Sachsen im Bedarfsfall die Betreuung der Mitglieder aus Sachsen-Anhalt in vollem Umfang mit geleistet werden kann. Das betrifft die Beratung, den Rechtsschutz aber auch die Ausstellung von Presseausweisen. Neben den Geschäftsstellen in Dresden und Halle stehen den Mitgliedern auch die regelmäßigen Sprechstunden des Geschäftsführers in Halle, Leipzig, Magdeburg, Chemnitz und Bautzen zur Verfügung. Der Geschäftsführer des DJV Sachsen nimmt darüber hinaus auch Aufgaben für den Partnerverband mit wahr. Umgekehrt gibt es auch Vertretungen durch Mitglieder des DJV Sachsen-Anhalt. Die Landesverbände treten bei diversen Anlässen gemeinsam auf ohne ihre Selbstständigkeit preiszugeben. Der DJV Sachsen-Anhalt ist aufgrund dieser Zusammenarbeit von einem sogenannten „Nehmerverband“ zu einem Geberverband geworden. Für 2019 will der DJV Sachsen-Anhalt keine Förderung aus der Strukturförderung des DJV beantragen.

Möglich wurde die Kooperation durch die Kontakte, die aufgrund der Zusammenarbeit bei der MDR-Tarifarbeit und bei gemeinsam organisierten Seminaren und Veranstaltungen, wie der Konferenz der Freien, bereits zu Beginn der Neunzigerjahre entstand. Ganz wichtig war neben dem gegenseitigen Vertrauen auch der Wille, etwas zugunsten der Mitglieder in Sachsen und Sachsen-Anhalt einfach und effektiv zu gestalten.

 

Dem Sibylle-Himmel ganz nah

28. April 2018

Hunderte strebten am Freitag zur Eröffnung der Sibylle-Ausstellung in Dresden-Pillnitz. Die DDR-Legende war mehr als nur eine Modezeitschrift. Sie existierte wechselvoll rund vierzig Jahre und wurde Mitte der Neunzigerjahre eingestellt. Die Zeitschrift lebte vom Bild, beteiligt waren daran auch viele namhafte Pressefotografen. In der Ausstellung im Schloss Pillnitz wird ein Stück Kultur- und Mediengeschichte des Ostens gezeigt, auch mehr als „tres chic statt nur Tristesse“ (MDR Sachsen) …
…und man kann in alten Heften blättern – bis 4. November 2018!

Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz

 

 

 

 

 

Medientage ab morgen in der Media City

24. April 2018

Die Medientage Mitteldeutschland finden am 25. und 26. April 2018 in Leipzig statt. Ine Dippmann interviewte Toralf Keßler. Er ist einer der Organisatoren, die die Veranstaltung seit Jahren betreuen. Keßler war in der vergangenen Woche Gast des Leipziger Journalistentreffens leMoMo.

www.medientage-mitteldeutschland.de

Offener Brief an Zeitungsverlage

9. April 2018

Faire Vergütung für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen fordert der sächsische Journalistenverband (DJV) am heutigen 9. April 2018 in einem Offenen Brief, der an alle Verlage im Freistaat gerichtet ist.
In Dresden waren am Mittag bereits zum zweiten Mal Mitglieder des Verbandes unterwegs, um unter Passanten auf die insgesamt unbefriedigende Situation der festen und freien Mitarbeiter im Tageszeitungsbereich aufmerksam zu machen. Die sächsischen Tageszeitungen sind seit Jahren von der Tarifentwicklung abgekoppelt. Der tariflose Zustand führe bereits dazu dazu, dass der Beruf unter jungen Leuten immer weniger attraktiv ist. Der DJV Sachsen sieht die Zukunft der Branche in Gefahr, heißt es in dem Schreiben. Anlass für den Brief und die heutige Aktion sind die in Frankfurt/Main stattfindenden Gehaltstarifverhandlungen (#TVTZ18) zwischen DJV, verdi und dem Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV).

Offener Brief an die sächsischen Zeitungsverleger

Presserat legt Bilanz 2017 vor

7. März 2018

Der Deutsche Presserat hat in Berlin seinen Jahresbericht vorgestellt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse* sei weiter gefragt, auch wenn die Zahl der Beschwerden leicht zurückgegangen sei, heißt es in einer vorab verbreiteten Pressemitteilung: 1.788 Beschwerden gab es im vergangenen Jahr, 2016 waren es noch 1.851.

Im Jahr 2017 wurden 508 Beschwerden in den Ausschüssen bewertet und entschieden. 277 davon erwiesen sich als begründet. Die Verteilung der festgestellten Verstöße auf die Ziffern des Kodex blieb unverändert: Die ersten drei Plätze nahmen wie in den Vorjahren die Ziffern 2 (Sorgfaltsplicht), 7 (Trennung von Werbung und Redaktion) sowie Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit) ein.

Nahezu jede zweite Rüge wegen Schleichwerbung

Weniger häufig als in den Vorjahren griff der Presserat zu seiner schärfsten Sanktion: 21 öffentliche Rügen verhängten die Beschwerdeausschüsse 2017, im Vorjahr waren es 33. Fast jede zweite Rüge bezog sich auf Verstöße gegen den Trennungsgrundsatz von Werbung und Redaktion.

„Gerade im unklaren Aufbau von Online-Seiten und der Bezeichnung von bezahlten Veröffentlichungen als ‚Partnerinhalt‘ sehen wir eine schwerwiegende Irreführung der Leserinnen und Leser“, so der Geschäftsführer des Presserats Lutz Tillmanns.

12.1: Jeden Fall sorgfältig abwägen

Die 2017 neu gefasste und mit Leitsätzen ergänzte Richtlinie 12.1 zur Nennung von Gruppenzugehörigkeiten und Nationalitäten in der Kriminalitätsberichterstattung sorgt nach wie vor für Diskussionen. Immer wieder argumentieren Redaktionen gegenüber dem Presserat, dass Polizei und Behörden die Zugehörigkeit von Tatverdächtigen im Netz veröffentlichen und es deshalb den Lesern gegenüber kaum vertretbar sei, diese in der eigenen Berichterstattung wegzulassen.

Der Presserat plädiert dafür, jeden Fall eigenverantwortlich zu bewerten und sorgfältig abzuwägen. „Zu den Kernaufgaben des Journalismus gehört schon immer die eigenverantwortliche Auswahl und Zusammenführung von Informationen nach ihrer jeweiligen Bedeutung“, so der Sprecher des Presserats Manfred Protze. „Die Nichterwähnung verfügbarer Detailinformationen verstößt daher nicht zwangsläufig gegen das Wahrhaftigkeitsgebot. Im Zweifel sollten Redaktionen ihre Auswahl den Lesern erklären“. 2

Unverändert gilt jedoch: „Die Achtung der Menschenwürde und die Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze gebieten es, unbegründeten Verallgemeinerungen individuellen Fehlverhaltens keinen Vorschub zu leisten“, so Protze weiter.

Diskriminierende Verallgemeinerungen vermeiden

Am 22. März 2017 hatte der Presserat die Regeln für die Kriminalitätsberichterstattung im Pressekodex präzisiert. Die Richtlinie 12.1 stellt nun statt auf einen begründbaren Sachbezug auf ein begründetes öffentliches Interesse ab, das für eine Erwähnung der Zugehörigkeit eines Tatverdächtigen vorliegen muss.

Die neu gefasste Richtlinie formuliert zudem erstmals ausdrücklich das Ziel der Regelung, diskriminierende Verallgemeinerungen individuellen Fehlverhaltens zu vermeiden. Im Mai 2017 gab der Presserat Leitsätze heraus, die die neue Richtlinie ergänzen und den Redaktionen praktische Entscheidungshilfen an die Hand geben.

2017 sprach der Presserat insgesamt 21 Rügen aus, 58 Missbilligungen und 153 Hinweise. 45 Beschwerden waren begründet, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet.

Der Jahresbericht steht auf der Homepage des Presserats zum Download bereit. (PR/kmh)

*Dem Deutschen Presserat (ein eingetragener Verein) gehören zwei Verleger- und zwei Journalistenorganisationen an. Mitglieder sind der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der Deutscher Journalisten-Verband (DJV), die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)


%d Bloggern gefällt das: