Leute für die Drecksarbeit?

Das Bekenntnis zum Pressekodex ist für Journalistinnen und Journalisten bindend, die Mitglied im DJV Sachsen sind oder es werden wollen (Aufnahmerichtlinien). Der Presseausweis ist letztendlich außenwirksame Bestätigung dafür und gleichzeitig einziges relativ unabhängiges Qualitätsmerkmal. Denn, ob ein Journalist über eine qualifizierte Ausbildung verfügt oder aufgrund von Begabung beziehungsweise Berufung journalistisch arbeitet ist zunächst bedeutungslos. Eine vorgeschriebene Ausbildung für Journalisten gibt es ohnehin nicht. Der Beruf ist aus gutem Grund frei zugänglich. Im heutigen Titelinterview der taz2 geht es um das „Outsourcen von Drecksarbeit“. Der Titel verpasst dem Problem zunächst ein gewisses Geschmäckle, skizziert aber die aktuellen Probleme der Medien. Weil man sparen will, wird oft schon bei der journalistischen Ausbildung geknausert und selbst Substantielles ausgelagert. Die Medien, vor allem im Printbereich, verlagern ihr Engagement eher auf nicht medientypische Felder. Journalistische Qualität wird aber letztendlich über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden. „Der Maßstab muss sein, dass ich als Redaktion über jeden Schritt eines Rechercheurs informiert bin und genau weiß: Was wird da wie recherchiert? Und das kann ich eben nur gewährleisten, wenn ich besonders vertrauenswürdige Mitarbeiter mit der Aufgabe betraue. Und die sollten schon Mitglied der Redaktion sein…“, sagt Stern-Chefredakteur Andreas Petzold in den taz-Interview.  (kmh)  
Anm.: 53 Prozent der beim DJV Sachsen registrierten Journalistinnen und Journalisten arbeiten freiberuflich.

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/ein-outsourcen-von-drecksarbeit/

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Eine Antwort to “Leute für die Drecksarbeit?”

  1. hgr Says:

    Die Auffassung von Andreas Petzold ist ja sehr zu begrüßen. Leider sehen das eben auch viele Chefredakteure anders. Man kann den Eindruck gewinnen, einige seien schon mehr Etatverwalter als Journalisten und eher den Bilanzzahlen als objektiver Berichterstattung und den Lesern verpflichtet. So werden wir wohl auch weiterhin mit dem Problem der Verlagerung von gut bezahlter journalistischer Arbeit aus den Redaktionen hinaus auf den freien Markt zu tun haben, wo die Kollegen oft mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Und: hervorragende freie Journalisten gibt es vieleicht gar nicht so wenige, wie Thomas Osterkorn in dem Interview behauptet.

    Eine Aussage von Thomas Osterkorn, die er ebenfalls in dem genannten Interview macht, sollten wir allerdings nicht auf uns sitzen lassen. Zitat: „Nun könnten natürlich die Journalistenverbände etwas sorgfältiger damit umgehen, wem man einen Ausweis gibt, und wem nicht. Da aber die Verbände möglichst viele Mitglieder haben wollen, um möglichst mächtig zu sein, haben sie daran kein großes Interesse…“ Herr Osterkorn fordert, wir sollten über „einen Akt der Selbstreinigung“ nachdenken und die Kriterien, wer eigentlich Journalist ist, vielleicht ein bisschen enger definieren.

    Da schiebt uns wohl einer den Schwarzen Peter zu. In den DJV-Landesverband Sachsen jedenfalls würden wir keinen Privatdetektiv aufnehmen und ihm einen einen Presseausweis ausstellen, nur weil er im Auftrag der Medien Politikern nachschnüffelt. Dafür kann ich als Mitglied der Aufnahmekommission meine Hand ins Feuer legen. Unsere Aufnahmerichtlinien setzten klar und deutlich hauptberufliche journalistische Arbeit voraus. Und das handhaben wir strikt.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass unsere Geschäftsstelle Nichtmitgliedern Presseausweise gegen Gebühr ausstellt, die diese Kriterien nicht erfüllen.

    Wir sind aber als Journalisten-Verband auch nicht verpflichtet, die Vertrauenswürdigkeit der Journalisten und ihre Eignung für die Zusammenarbeit mit den Verlagen zu prüfen. Das ist und bleibt Sache der (Chef-)Redaktionen.

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