Mehr Zeit und Genauigkeit gefordert

Der Festakt „20 Jahre Medienfreiheit“ hielt, was er versprach: Drei ostdeutsche, christdemokratisch plaudernde Landesherr(inn)en und acht Journalisten westdeutscher Herkunft (davon vier in Moderatorenrollen) unterhielten sich über Erfolge und Defizite nach zwei Dekaden Erfahrung deutscher Medieneinheit. Das Umfeld dazu bot der „Medientreffpunkt Mitteldeutschland“, der vom 3. bis 5. Mai in die „media city leipzig“ lud – genauer das Studio 3, im Volksauge auch bekannt als „Riverboat“-Kulisse.

Alt gegen Neu - analog gegen digital beim Abwrackversuch der Medienanstalt Sachsen-Anhalt

Während die Diskussion um den Aufbau der ARD-Länderanstalten oder die mögliche Ausdehnung des ZDF auf gesamtdeutschen Hörfunk nicht viel neues verriet, bot die MDR-Ministerpräsident(inn)enrunde mit Christine Lieberknecht, Wolfgang Böhmer und Stanislaw Tillich durchaus einige Bonmots und Nachdenklichkeiten: Böhmer kritisierte vor allem die Oberflächlichkeit und Deutungshoheit einiger Journalisten („Die größten Lügen sind die Halbwahrheiten“), während Tillich sogar die Freien in Schutz nahm: Wer so schnell arbeiten und seine Geschichten über knackige Schlagzeilen verkaufen müsse, könne manchmal gar nicht anders. Er wünsche sich daher mehr Sorgfalt und Muse bei der Recherche und Aufarbeitung.
Dass bei der Kritik vor allem die Kollegen der flüchtigen respektive der boulevardesken Medien gemeint waren, blieb nur angedeutet. Aber Böhmer bekam großen Beifall, als er meinte, dass jedes andere Mediensystem als das jetzige wohl schlechter wäre und man keinen Verbraucherschutz für Mediennutzung einführen könne.
Der Medientreffpunkt ging am Mittwoch zu Ende. Interessanter Abschluss bildete die Vorstellung von drei neuen Studien im Auftrag der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) zu Akzeptanz und Nutzung von Lokalfernsehen. Spannend vor allem die Ergebnisse einer Untersuchung des Dresdner TU-Instituts für Kommunikationswissenschaft (IfK), die den publizistischen Wert und Mehrwert des sächsischen Ballungsfernsehen in zeitlicher und regionaler Perspektive untersuchte. Dabei kam heraus, dass sich die unterschätzten Lokal-TV-Journalisten durchaus hehren Qualitätsansprüchen stellen, immer besser werden – und so den Rückstand in Sachen Exklusivität und Schnelligkeit im Vergleich zu den ortsansässigen Tageszeitungen stetig aufholen. Nur die Wahrnehmung seitens der Zuschauer sei noch eine andere, betonte Prof. Wolfgang Donsbach, der die Kernergebnisse der Studie gemeinsam mit Projektleiterin Anna-Marie Brade vorstellte.

Mehr zum Medientreffpunkt 2010 im DJV-Kurier 02.2010

Alle Presseinfos, auch zu Kernaussagen einzelner Veranstaltungen: http://www.medientreffpunkt.de/

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