nr: Behinderung per Strafrecht

Das Netzwerk Recherche hat bei seiner Mitgliederversammlung am Freitagabend in Hamburg den sächsischen Journalisten Arndt Ginzel und Thomas Datt für Ihren Prozess vor dem Amtsgericht Dresden den Rücken gestärkt. Der Verein, der für Informationsfreiheit und unabhängigen Journalismus in Deutschland eintritt, kritisiert in einer Erklärung „die Tendenz, recherchierende Journalisten mit strafrechtlichen Verfahren bei ihrer Arbeit zu behindern.“ Die Versammlung war eingebettet in die neunte Jahrestagung von „netzwerk recherche e.V.“, (nr) die am Wochenende auf dem Hamburger NDR-Gelände ein umfangreiches Programm mit rund 90 Einzelveranstaltungen zur umfassenden, differenzierten Diskussion von Trends und Gefahren des modernen Journalismus anbot und nach Angaben von nr-Vorsitzenden Thomas Leif mehr als 800 Medienvertreter zusammenführte. Ginzel und Datt müssen sich wegen ihrer Recherchen und der Berichterstattung zum „Sachsensumpf“ derzeit vor dem Amtsgericht Dresden verantworten (DJV-Kurier 02.2010), ein Urteil könnte schon am 28. Juli erfolgen. Begleitet wurde dies von gleich zwei Podiumsdiskussionen zum selbigen Thema: „Sachsensumpf vor Gericht – Bilanz eines Skandals“. Denn wie viele Referenten, die aus Richtung Berlin kamen, hingen Arndt Ginzel und Alexander Wendt („Focus“) am Freitagmittag im Zug kurz vor Hamburg fest, so dass die erste Diskussion unter Moderation von Sergej Lochthofen mit Prof. Michael Haller und dem Autor Jürgen Roth am Abend um eine zweite Spontanrunde ergänzt wurde und auch Wendt und Ginzel – sehr kontrovers – zu Wort kamen. Schon die erste Runde am Nachmittag führte spontan zu solidarischer Sensibilisierung und diese zur öffentlichkeitswirksamen Erklärung.
Trotz großer Hitze blieb an beiden Tagen kaum Zeit zum Verschnaufen: Ein dicht gedrängtes Programm mit zum Großteil hochkarätig besetzten Podien befriedigte die neugierigen Medienfüller. Höhepunkte waren unter anderem die Eröffnungsrede der Philosophin Carolin Emcke („Die Zeit“) zur Lage der Welt und deren globale Ambivalenz für den lokalen Journalistenalltag und die Verleihung der „Verschlossenen Auster“ für den „Infoblockierer 2010“. Der Kritikpreis ging an die Deutsche Bischofskonferenz für die Blockade- und Klagehaltung der Katholischen Kirche bei ihren Missbrauchsskandalen. Die Laudatio hielt Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der Süddeutschen, den Wanderpokal nahm der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, entgegen. Ansonsten war die Jahrestagung geprägt von der Kontroverse, ob die die klassischen Holzmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ihren Anspruch auf Qualitätsjournalismus in den Weiten des un(ter)bezahlten Netzinhaltes erhalten können. So hatten auch Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo und BILDblogger Stefan Niggemeier einige Auftritte, sehr markant gemeinsam beim Streit um den „Heilsbringer Paid Content“ im Netzjournalismus unter Leitung von ZDF-Moderatorin Maybrit Illner. Mehr zur Jahrestagung – dann mit spezifischer sächsischer Sonnenbrille – folgt im DJV-Kurier 03.2010 im Herbst.
(AH)
www.netzwerkrecherche.de/Projekte/Jahreskonferenzen/Jahrestagung-2010/

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3 Antworten to “nr: Behinderung per Strafrecht”

  1. nr thematisiert Dresdner Prozess « Says:

    […] „journalist“ im Sumpf nr: Behinderung per Strafrecht […]

  2. Dresdner Journalistenprozess – ein Dossier « Says:

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    […] nr: Behinderung per Strafrecht Erneut weitere Prozesstage […]

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