Manchmal weint die Natur

Sachsen und Tschechien sind nicht nur durch eine Grenze (es soll die älteste Europas sein!) verbunden, sondern haben auch ähnliche Voraussetzungen im Energiebereich. Energie grenzenlos, die vom DJV Sachsen zu den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen zugesteuerte Diskussionsrunde am 1. November 2010 im DREWAG-Energiemuseum KraftWerk, zeigte jedoch, dass nicht alles verbindet, was mehrdeutig grenzlos ist. Die tschechische Übersetzung ist da – zumindest aus unserer Sicht – eindeutiger: bez hranic und das heißt ganz schlicht „ohne Grenze!“ Und mehr ist da auch nicht.

Denn die Sicht auf die Dinge scheint, resümiert man die abendliche Runde im Dresdner KraftWerk, doch recht unterschiedlich zu sein. Auf der anderen Seite des Erzgebirges gibt es Braunkohle, genau wie in Sachsen. Und es gibt Tagebaue, denen die vor rund 20 Jahren verordneten Grenzens zu eng werden. Energie aus dieser Ressource ist für die Nachbarn aber die kostengünstigste, schafft/erhält Arbeitsplätze und ist für die nächste Zeit verfügbar. Die 20er Regel – bis 2020 den Co2-Ausstoß um 20 Prozent und den Energieverbrauch um ebenfalls 20 Prozent senken – wird da wohl ins Leere gehen. Also werden die Natur und kleine Dörfer wohl weiter herhalten müssen… Alternativen bei der Energiegewinnung zu nutzen, scheint für die Tschechen ebenfalls schwer. Der Wind beispielsweise weht nur an drei Stellen im ganzen Land, das sich übrigens gern auch mal „Dach des Kontinentes“ nennt. Eine ist wiederum das Erzgebirge. Deswegen erregen sich nun die Gemüter wegen in Blitzeseile am Mückentürmchen aufgestellter erster Windräder… Weitere sollen folgen, obwohl scheinbar niemand weiß, wie die hier gewonnene Energie zu den Verbrauchern in die Täler kommen wird. Denn es fehlt auch in Tschechien am dafür geeigneten Energienetz. Für Fernwärme aus Braunkohle ist es hingegen vorhanden… Und da wäre ja auch noch eine Parallelstrategie: Energie aus Abfallbeseitigung, grenzüberschreitend. Doch hier setzt ausgerechnet die EU unüberwindbare Grenzen. Kurz, das Fragezeichen nach dem grenzenlos steht! Denn es gibt Probleme über Probleme! Und „grenzenlos“ ist in weiter Ferne. Einzig der Anschub der öffentlichen Diskussion stimme optimistisch. Das geschähe bisher zu selten, meinte Lutz Reichelt.  Sein etwas mehr wirtschaftlich-praktisch orientierter tschechischer Diskussionspart  Petr Jenik (Auf dem Foto  rechts neben Moderator Steffen Neumann) konstatiert eher schulterzuckend: „Manchmal weint die Natur“
kmh

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Eine Antwort to “Manchmal weint die Natur”

  1. sbm Says:

    Ein interessanter Abend, auch ohne Lösung des Problems. Miteinander reden und dsikutieren, mehr voneinander begreifen – mir hat es gefallen. Und: Ein Besuch im KraftWerk der Drewag lohnt sich über diesen Abend hinaus. sbm

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