Archive for Dezember 2013

Lage differenziert, kompliziert

20. Dezember 2013

Auswertung der Freienumfrage des DJV Sachsen

Nach der Mitgliederdatei des DJV Sachsen ist der sächsische Freiberufler im Durchschnitt 47,5 Jahre. Da aber rund 16 Prozent der Mitgliedergruppe schon im Rentenalter sind, dürfte die Altersfrage mit einem bloßen Blick auf die Datei nicht befriedigend zu klären sein. Der DJV Sachsen initiierte daher im Spätsommer dieses Jahres eine Umfrage unter den Freien, um so nicht nur altersmäßig tiefer in die sehr große und differenzierte Mitgliedergruppe der Freien einzutauchen. Gleichzeitig will der Berufsverband mit Hilfe der Umfrage Probleme rechtzeitig erkennen und Wünsche an den DJV aufgreifen.

Die nun vorliegenden Daten aus der Umfrage weichen teilweise sehr von den aus der Mitgliederdatei ab. Vielleicht auch deshalb, weil sich nicht nur Mitglieder beteiligten. Wichtig ist jedoch, dass einige Trends erkennbar sind. So beipielsweise der, dass Tageszeitungen immer mehr auf Freie Journalisten zurückgreifen.

Aufträge an FreieDie Freien in der Mitgliedschaft sind zu zwei Drittel Männer und zu einem Drittel Frauen. Bei der Umfrage ist das Verhältnis eher umgekehrt: 53 % der Teilnehmer sind Frauen, weniger als die Hälfte Männer. Die Umfrageergebnisse sind also vielleicht ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Dennoch, wichtig waren ja vor allem Fragen zur Auftragslage und zum Einkommen. Etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer schätzt die berufliche Situation immerhin gut ein. Die Umsatzzahlen unterlegen diese verbale Einschätzung: Ein Fünftel erzielt weniger als 1000 Euro Umsatz, 50 Prozent geben mehr als 2000 Euro im Monat an. Mit einem Anteil 33 Prozent ist der Umsatzbereich zwischen 2000 und 3000 Euro am stärksten. Über 4000 Euro Monatsumsatz erzielen gerade mal acht Prozent der Umfrageteilnehmer.

Netto von Freien 2013
Daraus ergeben sich verfügbare Nettoeinkommen, die bei mehr als der Hälfte der Freien Journalistinnen und Journalisten im Freistaat jedoch unter 1500 Euro liegen. Dafür sind bei drei Viertel mehr als 40 Wochenarbeitsstunden erforderlich. 33 Prozent geben eine wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 50 Stunden an. Dabei arbeiten Sachsens Freie hauptsächlich für Print. Auftraggeber sind neben Tageszeitungen auch Wochenzeitungen und Zeitschriften. Nur etwas mehr als die Hälfte gibt an, den Lebensunterhalt allein aus journalistischer Arbeit bestreiten zu können.

Auch wenn die Umfrage einen unerwarteten Grad der Zufriedenheit* widerspiegelt, der DJV Sachsen ist eher skeptisch. Insbesondere die verfügbaren Nettoeinkommen deuten auf eine insgesamt eher kritische Situation hin. Der DJV Sachsen orientiert auf einen monatlichen Umsatz von mindestens 4000 Euro und ein verfügbares Netto von 2500 Euro. Die Einnahmen der Freien dürften nicht nur die jeweils aktuellen Lebenshaltungskosten decken, sondern müssen auch Raum lassen für die Altersversorgung sowie einen gewissen Reservefonds, so Geschäftsführer Michael Hiller. Nach Einschätzung des DJV Sachsen wäre die Situation der Freien akzeptabel, wenn alle Auftrageber respektvoller mit den Freien umgehen würden und sich zumindest an Vereinbarungen, wie die Gemeinsamen Vergütungsregeln oder den Tarifvertrag für Freie halten würden. Dabei gehe es nicht nur um die unmittelbare Honorierung sondern vor allem auch um Verwertungsrechte.

Für den DJV werden in der Umfrage als wichtigste Aufgaben formuliert: Rechtsschutz und Informationen zu Steuerfragen. Eher unwichtig erscheint den Umfrageteilnehmern die Unterstützung bei der Buchhaltung und Existenzgründung.

* Fast 50 Prozent der sächsischen Freiberufler schätzen die berufliche Situation mit gut (42,8 %) bzw. sehr gut ein, nur 22,45 Prozent finden sie miserabel.

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Tarifverhandlungen für wen?

18. Dezember 2013

Seit einem halben Jahr verhandeln DJV, verdi und BDZV über einen neuen Gehaltstarifvertrag für Tageszeitungsredakteure

In Berlin läuft seit dem heutigen Mittag die sechste Runde der Tarifverhandlungen für Redakteure an Tageszeitungen. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat vorab erklärt, er sei zu einem Tarifabschluss bereit. Sollte es heute in Berlin dazu kommen, dann sind die Vereinbarungen für die meisten Tageszeitungsmitarbeiter im Freistaat nicht unmittelbar relevant. Das ist das sächsische Resultat von Tarifflucht in sehr unterschiedlichen Nuancen. Während bei der Freien Presse in Chemnitz von Anfang an jegliche Tarifbindung abgelehnt wurde, standen Sächsische Zeitung (SZ) und Leipziger Volkszeitung (LVZ) den Flächentarifen zunächst nicht ablehnend gegenüber. Die LVZ, einschließlich der Dresdener Neuesten Nachrichten, gehört dem Verlegerverband an und sicherte bis 2011 die volle Tarifbindung. Bei der Sächsischen Zeitung gilt die Bindung an den Flächentarifvertrag über einen Haustarifvertrag. Allerdings wurden hier seit dem Jahr 2000 durch den DD+V veränderte Strukturen geschaffen, bei denen Neueinstellungen nun nicht mehr der Tarifbindung unterliegen. Nur hier bei der SZ gibt es also einen „Altbestand“ an tarifgebundenen Redakteuren. Ein weiterer Aspekt der Tarifumgehung ist die zunehmende Verlagerung der redaktionellen Arbeit auf Freie und die sogenannten Pauschalisten, ja selbst auf Leihredakteure. Der DJV Sachsen hat diese Situation in einem Schreiben Landtagsabgeordnete kritisiert und bei den Politikern um Unterstützung bei dem Ringen um flächendeckende Tarifbindung geworben. In dem Brief des DJV Sachsen heißt es: „Werden Sie aktiv, unterstützen Sie uns dabei, den Tarifverträgen in der Zeitungsbranche wieder die Bedeutung zu verschaffen, die ihnen zusteht!“

Einzig vom Arbeitsmarktpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag Stefan Brangs liegt bisher eine offizielle Anwort vor. Das Ignorieren von Tarifverträgen, so Brangs, werde zu Recht vom DJV an den Pranger gestellt. Gute Arbeit, sei es im Journalismus oder in jeder beliebigen Branche, werde über gute Arbeitsbedingungen und faire Gehälter garantiert, so der SPD-Politiker.

…und damit dieser Beitrag nicht einfach so im Netz steht, sei die DJV-Forderung hier nochmals deutlich gemacht:

Der DJV Sachsen fordert alle sächsischen Zeitungsverlage auf, ihre Mitarbeiter entsprechend Tarif zu beschäftigen und zu vergüten!    


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