Wir trauern um Prof. Siegfried Schmidt

Der DJV Sachsen hat einen leidenschaftlichen Wissenschaftler und einfühlsamen Streiter für soziale Gerechtigkeit verloren: Prof. Siegfried Schmidt ist am 3. März 2015 nach langer schwerer Erkrankung verstorben. Heute finden in Leipzig die Trauerfeier und die Beerdigung statt.

Siegfried SchmidtDer 1936 im Vogtland Geborene gehörte zu jener Generation, der die Kindheit durch den Krieg geraubt wurde. Es war nur verständlich, dass Siegfried Schmidt wie viele Zeitgenossen einen Weg suchte, eine sozial gerechte und auf eine friedliche Zukunft gerichtete Gesellschaft auf den Trümmern des Nazireichs zu errichten.

Als ab 1954 der Aufbau der eigenständigen Fakultät für Journalistik begann, gehörte Siegfried Schmidt mit zu den ersten Studenten dieser neuen Fakultät. Professoren wie Hermann Budzislawski, dessen persönlicher Mitarbeiter Siegfried Schmidt schon wenig später werden sollte, und Hans Teubner gaben ihm Orientierung, waren ihm wissenschaftlich wie politisch Vorbild, wie er auch später immer wieder im Gespräch betonte.

Studenten verbinden mit Siegfried Schmidt seit Jahrzehnten Kultur und Kunstkritik im Journalismus. Und tatsächlich: Bis auf einen Abstecher im Jahre 1959 in die Redaktion einer altmärkischen Dorfzeitung galt in seinem langen Wissenschaftlerleben Problemen der Unterhaltung, der Spezifik des Kulturjournalismus oder der Literatur- und Kunstkritik zuallererst sein Interesse.

Schon in seiner Diplomarbeit „Die journalistischen Elemente in der politischen Lyrik Erich Weinerts“ (1959) wandte er sich einem kulturwissenschaftlich geprägten Thema zu. In seiner Dissertation „Zur Unterhaltung als journalistische Kategorie in der imperialistischen und in der sozialistischen Tagespresse“ (1965) setzte er sich für einen unterhaltsamen Journalismus hierzulande ein. 1983 verteidigte er dann seine Dissertation zur Promotion B „Zur Spezifik der journalistischen Literatur- und Kunstkritk“, in der er für eine streitbare und faire Auseinandersetzung mit Literatur und Kunst warb.

Und ganz in diesem Sinne widmete er sich in der Lehre seit den 60er Jahren der Ausbildung künftiger Kulturjournalisten. Sicher: Siegfried Schmidt war ein strenger, mitunter auch pedantischer Lehrender. Seine Strenge in fachlichen Fragen schloss aber menschliche Wärme für seine Studenten nicht aus.

Nachdem Siegfried Schmidt seine Promotion B Mitte der 80er Jahre verteidigt hatte, wurde er zum Dozenten ernannt und übernahm wenig später die Leitung eines neugeschaffenen Lehrstuhls, der sich mit Theorie und Praxis des Kultur- und Wissenschaftsjournalismus befasste. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern der Sektion setzte er sich für einen  offeneren Umgang mit der gesellschaftlichen Realität im Journalismus ein – ohne allerdings Gehör bei den politisch Verantwortlichen zu finden.

Als nach der Abwicklung der Sektion Journalistik die Weiterarbeit von der erfolgreichen Teilnahme an einem politischen und fachlichen Überprüfungsverfahren abhängig gemacht wurde, entschied sich Siegfried Schmidt für die Teilnahme. Nicht alle seiner Kollegen verstanden das damals. Aber Siegfried Schmidt nahm die neuen Herausforderungen erfolgreich an. Dazu gehörte auch, dass er bei einer nunmehr weitaus größeren Studentenzahl bei gleichzeitig wesentlich reduziertem wissenschaftlichem Personal die Journalistik in ihrer gesamten Breite in der Lehre vertreten musste. Auch an anderen Hochschulen lernte man den Wissenschaftler schätzen. Seinen Kollegen blieb der nunmehrige Professor dabei jederzeit ein zuverlässiger und hilfsbereiter Freund.

Auch der DJV konnte sich auf sein Mitglied Siegfried Schmidt jederzeit stützen. Viele Jahre arbeitete er in der Beschwerdekommission des Landesverbandes. Er vertrat den DJV auf wissenschaftlichen Veranstaltungen und widmete sich seit mehreren Jahren dem journalistischen Zweig im Wettbewerb um den Lessing-Preis des Kamenzer Lessing-Museums.

Eine Geschichte der Journalisten-Ausbildung in Leipzig ist uns der Zeitzeuge Siegfried Schmidt leider schuldig geblieben. Diejenigen, welche sich dieser Aufgabe einmal stellen müssen, werden Siegfried Schmidt einen wichtigen Platz in dieser Geschichte zubilligen.

Dr. Jürgen Schlimper

 

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Eine Antwort to “Wir trauern um Prof. Siegfried Schmidt”

  1. Antje Schulz Says:

    Ich bin beeindruckt von der Wertschätzung meines Vaters gegenüber. Vielen Dank für die Worte.

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