Archive for the ‘Tarifverhandlungen’ Category

MDR-Warnstreik – Tarifverhandlungen stagnieren

18. September 2019

Rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren heute (18.09.2019) in Leipzig dem Aufruf von DJV, ver.di und DOV zu einem befristeten Streik gefolgt, der noch bis Donnerstag
1 Uhr andauert.

Der Streik begleitete die fünfte Tarifverhandlungsrunde zur Vergütung der festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders. Die Verhandlung wurde ohne Ergebnis beendet.  Erst am 7. November soll weiter verhandelt werden.

Nach 80 Minuten war klar: die Geschäftsleitung bleibt bei ihrem Angebot von 4,2 % Steigerung auf Gehälter und Honorare für 24 Monate. Die Vorgaben der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) bänden den ARD-Anstalten die Hände, so die Argumentation des MDR.
Ralf Leifer, Verhandlungsführer des DJV, kritisierte dies. „Wenn die Rundfunkanstalten nur noch dem folgen können, was die KEF vorgibt, greift das in die grundgesetzlich garantierte Tarifautonomie der Gewerkschaften ein“, so der langjährige Geschäftsführer des DJV Thüringen.

Die Streikenden reagierten auf den Ausgang der Verhandlungsrunde empört und enttäuscht. Sie erwarten den von der Intendantin zugesagten Abschluss des MDR am oberen Rand der ARD-Tarifabschlüsse. Nur so lässt sich perspektivisch die Gehalts- und Honorarlücke zu den ARD-Anstalten im Westen Deutschlands schließen.

Der Warnstreik beim MDR ist Teil eines ARD-weiten Aktionstages.

Medieninformation

 

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Warnstreik heute beim MDR

18. September 2019

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat am heutigen 18. September 2019 die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mitteldeutschen Rundfunks zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Grund sind die bisher ergebnislosen Verhandlungen zur Vergütung der festen und freien Mitarbeiter der Drei-Länder-Anstalt. Seit April dieses Jahres verhandeln die Gewerkschaften DJV, verdi und Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV) mit der Geschäftsleitung des MDR.

Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung der Gehälter und Honorare um 6 Prozent. Der MDR hat bisher 4,2 für eine Laufzeit von zwei Jahren angeboten. Neben Vergütungserhöhung als Kernforderung wollen die Gewerkschaften eine weitere Angleichung der Arbeitsbedingungen an die der anderen ARD-Anstalten erreichen.

Die von der MDR-Geschäftsführung aktuell vorliegenden, unzureichenden Angebote bedeuten für die Beschäftigten des Senders zugleich eine Abkopplung von den Tarifregelungen des Öffentlichen Dienstes, die bisher als Maßstab galten. Im öffentlichen Dienst der Länder wurden zuletzt Einkommenssteigerungen in Höhe von insgesamt ca. 7,8 Prozent bei einer Laufzeit von 33 Monaten vereinbart. Zum Warnstreik aufgerufen haben die Landesverbände des DJV in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die Gewerkschaften verdi und DOV. Der Arbeitskampf heute ist Teil eines ARD-weitern Aktionstages des DJV.

Medieninformation  Weitere Infos im tarifblog

ARD/ZDF-Freienkongress ab heute in Leipzig

5. April 2019

Beim Mitteldeutschen Rundfunk startet zur Stunde der 4. ARD/ZDF-Freienkongress. Einmal jährlich treffen sich Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu Erfahrungsaustausch und Diskussion zu Problemen ihrer sehr breit gefächerten journalistischen und künstlerischen beruflichen Tätigkeit.

Bei ARD, ZDF und Deutsche Welle sind rund 18.000 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Sie sind eine fundamentale Stütze der Rundfunkanstalten und stemmen einen Großteil des Programmes. Freie Reporter sind vor Ort, wenn „Lügenpresse“ skandiert wird und sich Aggression an ihnen entlädt. Dennoch müssen sie um ihre berufliche Existenz bangen, wenn Sparmaßnahmen ins Haus stehen. Denn während feste Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaum gekündigt werden, fühlen sich die Freien oft als Manövriermasse der Anstalten.

Die für die Freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kostenfreie Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich. Der Leipziger Kongress ist ausgebucht. Wer dennoch aktuell über das Geschehen in Leipzig informiert sein will, kann die Infokanäle bei facebook, twitter und instagram nutzen.

MDR: Dynamisierung der Honorare

5. Dezember 2017

Extra-Info des DJV für Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MDR 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 4. Dezember 2017 haben die Gewerkschaften DJV und Ver.di erneut mit Vertretern des MDR über die Umsetzung der Effektivhonorarerhöhung gesprochen, wo es ja noch viele Probleme gibt. Denn erhöht werden sollen nur die gleichwertigen Honorare, die in 12 Monaten mindestens 12 mal von der gleichen Kostenstelle bezahlt wurden.

Beim Treffen zwischen den Gewerkschaften und dem MDR ging es auch um die rund 20 Beschwerden, die in der Schiedsstelle eingegangen sind (Danke an alle, die an die Schiedsstelle geschrieben haben!). Den Gewerkschaften ist es in der Verhandlung gelungen, den Interpretationsspielraum der MDR-Selbstverpflichtung (die Bestandteil des 6. Änderungstarifvertrages wird) weit auszulegen. Das bedeutet für die Redaktionen, dass sie nun mehr beachten und prüfen müssen.

Der DJV ist immer noch der Meinung, dass ein anderes Modell besser gewesen wäre: nämlich wenn man für die Tarifsteigerungen die internen Vergütungstabellen, die jede Redaktion hat, als Grundlage genommen hätte. Das wäre einfacher und praktischer gewesen. Die Verantwortung hätte zwar (wie jetzt auch) hauptsächlich in den beauftragenden Bereichen (also in den Redaktionen) gelegen, jedoch ohne diesen bürokratischen Aufwand. Dieser Aufwand führt auch bei den Festangestellten, die die Erhöhung der Effektivhonorare umsetzen müssen, zu Unverständnis. Die MDR-Geschäftsleitung wollte aber dieses Modell der standardisierten Honorare und lehnte den Gewerkschaftsvorschlag ab, die internen Vergütungstabellen zu erhöhen. Die Alternative wäre dann noch gewesen, das bisherige Modell Einmalzahlung beizubehalten, das Vorteile aber auch erhebliche Nachteile hat.

Für folgende Fälle wurden Lösungen gefunden.

  1. Grundhonorar und Aufschläge

In der Praxis werden bei einigen Tätigkeiten intern Aufschläge für zusätzliche Anforderungen gezahlt. Welche Tätigkeiten das sind, wird der MDR beispielhaft auflisten. Wie die Lösung aussieht, soll an folgendem Beispiel des redaktionellen Mitarbeiters deutlich gemacht werden.

Honorar Anzahl der Dienste Betrag, der tariflich erhöht wird
200 € 17 200 €
210 € 5 200 €
230 € 14 230 €
240 € 1 200 €
oder folgender Fall:
200 3 200 €
210 3 200 €
230 3 200 €
240 3 200 €
  1. Gleiche Tätigkeit aber unterschiedliche Beitragslängen

Wer z. B. als Reporter/Berichterstatter seinen Dienst für einen bestimmten Tag anbietet, weiß noch nicht, wie lang der Beitrag und wie hoch das Honorar sein wird. Deshalb haben die Gewerkschaften folgender Lösung mit der Maßgabe zugestimmt, dass sie durch eine andere ersetzt werden muss, wenn der erhoffte Effekt nicht eintritt. Wendet der beauftragende Bereich einen einheitlichen Minutenpreis auf die unterschiedlichen Beitragslängen an, werden alle produzierten Beiträge als gleiche Leistung bewertet. Liegt deren Zahl im Betrachtungszeitraum von 12 Monaten bei mindestens 12, werden die Minutensätze um den Prozentsatz der tariflichen Steigerung erhöht. Beispiel: Es gibt 100 € pro Minute. Dann müsste das Honorar bei 1:30 Länge bei 150 € und bei 3:00 Länge des Beitrags bei 300 € liegen. Der MDR würde dann alle Beiträge unterschiedlicher Länge zusammenzählen. Kommen mindestens 12 zusammen, werden die Effektivhonorare für diese Beiträge erhöht.

Wir würden von Ihnen gern wissen, in welchen Bereichen einheitliche Minutenpreise der Honorierung von Werkleistungen zugrunde liegen.

  1. Gleiche Tätigkeit aber unterschiedliche Einsatzzeiten (Länge und Zeitpunkt des Einsatzes)

In der Praxis leisten Freie ganze, halbe oder ¼- Schichten, arbeiten nachts, an Sonn- und Feiertagen.

Lösung: Werden bei Schicht- und Tagesleistungen zu einer Kostenstelle und einer Tätigkeit lediglich unterschiedliche Leistungseinheiten (z.B. 1/4 Tag, 1/2 Tag, 1 Tag) ausgewiesen, so gelten diese Honorare als wertgleich, wenn sie im Verhältnis zur Leistungseinheit wertgleich sind und werden zusammengezählt, damit man mindestens auf 12 mal kommt. Sie gelten auch dann als wertgleich, wenn die Honorierung in allen Leistungseinheiten mit dem Mindesthonorar erfolgt. Beispiel: Schichthonorar für einen Tag 200 €, für einen halben Tag 100 € und für die ¼-Schicht 50 €. Bei Nachtarbeit oder an Sonn- und Feiertagen wird das „Grundhonorar“ gesteigert, wenn es 12 Mal nach den Kriterien für das standardisierte Honorar gezahlt wurde. Der jeweilige prozentuale Aufschlag unter Bezugnahme auf das Mindesthonorar ist bereits durch die tarifliche Steigerung des Mindesthonorars erhöht.

  1. Kostenteilung

Es kommt vor, dass ein z. B. vom Landesfunkhaus X beauftragter Beitrag durch Recherche eine überregionale Bedeutung erlangt und z. B. bei MDR Aktuell gesendet wird. Das kann in der internen Abrechnung dazu führen, dass MDR Aktuell die Kosten übernimmt. Arbeitet der Freie ansonsten ausschließlich für das Landesfunkhaus, würde das von MDR Aktuell bezahlte Honorar nicht die Kriterien des standardisierten Honorars erfüllen, weil es weniger als 12 mal gezahlt wurde. Deshalb werden solche Beiträge den anderen vom Freien im Landesfunkhaus erbrachten gleichen Leistungen zugeordnet. Werden dadurch mindestens 12 gleiche Leistungen erbracht, die die Kriterien für das standardisierte Honorar erfüllen, wird das Honorar um den tariflich vereinbarten Prozentsatz gesteigert. Es lohnt sich also ein Blick in die Monatsabrechnungen des Betrachtungszeitraumes, um festzustellen, ob eine solche Kostenteilung vorliegt.

Diese beschriebenen Lösungen lassen sich nicht maschinell in der Übersicht zur Tätigkeit im Betrachtungszeitraum darstellen, die Sie von der HoLi erhalten haben. Sollte einer der oben genannten Fälle vorliegen, wenden Sie sich deshalb bitte an den beauftragenden Bereich. Wenn keine einvernehmliche Lösung zustande kommt, bleibt immer noch die Beschwerde an die Schiedsstelle.

Von den rund 20 eingegangenen Beschwerden sind am Montag drei in der Schiedsstelle besprochen worden. Das Ergebnis der Diskussion teilt der MDR den Kolleginnen und Kollegen sowie den Gewerkschaften in Kopie mit.

Wenn Sie Fragen zu den oben genannten Sachverhalten haben, können Sie diese uns gern übermitteln: info@djv-mdr.de . Nutzen Sie bitte auch die Möglichkeit, sich mit Beschwerden an die Schiedsstelle zu wenden. Die Selbstverpflichtung des MDR zur Dynamisierung der Effektivhonorare beinhaltet eine Option zur Evaluierung des gefundenen Modells.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr DJV

Presseversorgung: Alles top

12. Juni 2015

Presseversorgung„In einem Kapitalmarkt, in dem negative Zinsen Realität geworden sind, hat sich die langfristige Ausrichtung der Presseversorgung auch in 2014 bewährt.“ Mit diesem Einstieg des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Presseversorgung, Dr. Laurent Fischer, in die Geschäftsberichte der Gremien des Versorgungswerkes ist eigentlich schon fast alles gesagt.

Die berufsständische Presse-Versorgung kann bei ihrer Jahreshauptversammlung, die gegenwärtig in München stattfindet, erneut auf eine insgesamt positive Marktpräsenz und Entwicklung verweisen. Am deutlichsten zeigt sich dies in der für alle Versicherten aktuellen Gesamtverzinsung für das laufende Jahr: 4,6 Prozent, das ist nicht nur ein Spitzenwert in der Versicherungsbranche, sondern sucht im Kapitalmarkt insgesamt seines Gleichen. Geschäftsführer Manfred Hoffmann verweist in diesem Zusammenhang auf die hohe Sicherheit der Kapitalanlagen durch die vorausschauende Investitionspolitik der Presseversorgung. Nur deshalb seien beispielsweise die Bewertungsreserven im zurückliegenden Jahr um 16 Prozent gestiegen. Auch der Wert der Kapitalanlagen erhöhte sich um 2,2 Prozent. Deren breite Streuung sorge dabei für hohe Sicherheit und begrenze die Auswirkungen des anhaltend niedrigen Zinsniveaus. Die Produkte der Presseversorgung seien daher alternativ- und konkurrenzlos.

Der auch bei der Presseversorgung zu verzeichnende Branchen-Trend hoher Einmalzahlungen von Versicherten belege zudem die Attraktivität von Lebensversicherungen, so Manfred Hoffmann. Die Presseversorgung habe durch Einmalzahlungen im Jahr 2014 insgesamt eine Zugang von 52 Millionen Euro zu verzeichnen. Bei Neuabschlüssen stehen Steigerungen von 5 Prozent im fakultativen und 9 Prozent im obligatorischen Bereich zu Buche. Letzterer ist speziell durch einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag abgedeckt.

Um den Kreis der Versicherten zu erweitern, fasste eine Außerordentliche Gesellschafterversammlung am Nachmittag einen Beschluss zur Satzungsänderung. Zukünftig wird es möglich sein, die gesamte Belegschaft eines Medienunternehmens zu versichern, statt – wie bisher -nur die journalistisch Tätigen. Auch die turnusmäßige Aktualisierung der Berufsbilder und Wirtschaftsbereiche durch den Verwaltungsrat wird mit der Satzungsänderung ermöglicht. Die Presseversorgung trägt damit dem Wandel in der Medienbranche Rechnung. Speziell für die Fest-freien Mitarbeiter bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird die Presseversorgung mit Wirkung zum 1. Juli dieses Jahres neue Sonderkonditionen vereinbaren, die Leistungsverbesserungen um fünf bis sechs Prozent vorsehen.

Bei der Münchener Jahreshauptversammlung tagen auch die Gremien der Versorgungskasse und der Hilfsverein der Deutschen Presse. Hier geht es vor allem um Leistungen für besonders Hilfsbedürftige, so Witwen-/Witwerleistungen sowie Leistungen für unverschuldet in Not geratene Angehörige der Presseberufe. (kmh)

www.presse-versorgung.de

 

 

Tarifeinheit – Sinn und Unsinn

27. März 2015

Tarifeinheit
Freie Gewerkschaften oder staatlicher Einheitszwang.“ So heißt das Hearing, das der DJV zusammen mit dem Marburger Bund, dem Deutschen Beamtenbund und der Vereinigung Cockpit am 16. April in Berlin veranstaltet. In der Diskussion geht es um Sinn und Unsinn des Gesetzentwurfs zur Tarifeinheit, über den der Bundestag im Mai beschließen will.
Einladung/Plakat Bündnis für Koalitionsfreiheit

 

DJV kritisiert Kabinettsbeschluss zur Tarifeinheit

11. Dezember 2014

Foto: Anja CordVerbandstag WŸrzburg„Als Kampfansage der Bundesregierung an die Berufsgewerkschaften“ hat der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken die heutige Entscheidung des Bundeskabinetts zur Tarifeinheit bezeichnet. Der Deutsche Journalisten-Verband sehe darin die Vorbereitung eines Verfassungsbruchs. Das Kabinett hatte den Referentenentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ohne Änderungen beschlossen. Im Gesetzgebungsverfahren muss nun der Bundesrat Stellung nehmen. Mit den Lesungen des Entwurfs im Bundestag ist im Frühjahr 2015 zu rechnen. In Kraft treten soll das Gesetz zur Tarifeinheit im Sommer kommenden Jahres. 

Das Prinzip „Eine Gewerkschaft pro Betrieb“ schränke auch nach dem Urteil renommierter Verfassungsrechtler die Betätigungsmöglichkeiten spezialisierter Arbeitnehmervertretungen unzulässig ein. Indirekt werde damit das in der Verfassung garantierte Streikrecht ad absurdum geführt, das verletze das Grundgesetz.

„Die Koalition will das Gesetz trotz der auch in den Fachministerien vorhandenen Bedenken durchpeitschen“, so Michael Konken. „Dagegen müssen und werden wir uns wehren!“ Sollte der Entwurf zum Gesetz werden, will der DJV eine Verfassungsbeschwerde vorbereiten. 

 

 

 

Konken kritisiert Nahles‘ Tarifgesetz

28. Oktober 2014

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die am heutigen Dienstag bekannt gewordenen Eckpunkte des geplanten Gesetzes zur Tarifeinheit scharf kritisiert. „Mit solchen Regelungen würde dem DJV und den anderen Spartengewerkschaften das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit beschnitten. Eine effektive Arbeitnehmervertretung wäre nicht mehr möglich“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hatte zuvor den Entwurf ihres Ministeriums erläutert, den Text aber nicht vorgelegt. Das Bundeskabinett soll ihn am 3. Dezember ohne vorherige Expertenanhörung verabschieden. Konken: „Das riecht nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion.“ Nach Nahles‘ Erläuterungen sieht der Gesetzestext Anreize für gütliche Einigungen bei Tarifkonflikten vor. Welche das sind, ließ die Ministerin offen. Komme es in Betrieben mit mehreren Gewerkschaften dennoch zum Tarifkonflikt, gelte der Tarifvertrag, der von der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern im Betrieb abgeschlossen werde. Im Zweifel müsse das gerichtlich entschieden werden. Konken: „Damit würde die Betätigungsfreiheit von Spartengewerkschaften beschnitten und das Arbeitskampfrecht ausgehöhlt.“ 

Der DJV-Vorsitzende nannte es eine Mogelpackung, so zu tun, als werde nicht in die Koalitionsfreiheit eingegriffen. Das Gegenteil sei der Fall. Gelte ein Tarifvertrag, gelte auch die Friedenspflicht, eine eigenständige Tarifpolitik werde damit zum Schaden der Mitglieder unmöglich gemacht. Das müsse auch den DGB-Gewerkschaften klar sein, die noch das Vorhaben unterstützten. Weder der Gesetzgeber noch die Gerichte könnten aber die Koalitionsfreiheit beseitigen. „Was jetzt bekannt geworden ist, geht gegen die Interessen der Beschäftigten“, sagte Konken, „deren Streikrecht damit ad absurdum geführt wird.“ 

Konken kritisierte zudem die Informationspolitik der Arbeitsministerin als Salamitaktik. Es sei nicht akzeptabel, dass die betroffenen Gewerkschaften und die Öffentlichkeit mit Informationshäppchen abgespeist würden. Bevor das Bundeskabinett entscheide, müsse der Gesetzentwurf zur Diskussion gestellt werden. Der DJV-Vorsitzende rief die Bundesregierung auf, den Plan nicht weiter zu verfolgen, den Spartengewerkschaften „den Garaus“ zu machen.
(DJV-Presseinfo)

 

 

DJV: Nein zur „Tarifeinheit!“

24. Oktober 2014

Foto: Anja Cord Verbandstag WŸrzburgDer DJV hat in dieser Woche sein Nein zur Tarifeinheit per Gesetz bekräftigt. Dazu hat sich der Bundesvorsitzende der Journalistenorganisation Michael Konken in einem Schreiben an Wirtschafts- und Medienredaktionen gegen das von der Bundesregierung geplante Gesetz zur Tarifeinheit geäußert. Von einem solchen Gesetz, so Konken, seien nicht nur Lokführer und Piloten betroffen. „Die Tarifeinheit würde auch uns Journalistinnen und Journalisten und damit Sie treffen“, heißt es. Konken weist auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit ver.di hin, mit der der DJV seit langem eine Tarifgemeinschaft bilde. Aber, so Konken, man wolle sich diese Kooperation nicht vom Gesetzgeber aufdrängen lassen. „Wir wollen im Dialog mit unseren 36.000 Mitgliedern frei darüber entscheiden, welche tarifpolitischen Wege wir gehen.“ 

Das Prinzip „ein Tarifvertrag pro Betrieb“ würde in vielen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen bedeuten, dass es keine Tarifverträge mehr für Redakteure gäbe. Konken: „Die Verleger würde es freuen, wenn aus den Journalisten ,schreibende Verlagsangestellte‘ würden. Der Bedeutung unseres Berufsstands für die Demokratie würde diese erzwungene Vereinheitlichung ebenso wenig gerecht wie der Qualifikation der Journalistinnen und Journalisten und ihrer Ausbildung.“ Die Tarifeinheit höhle die Grundrechte aller Arbeitnehmer aus: „Das ist nicht nur das Streikrecht, sondern auch das Recht der Gewerkschaften auf freie und ungehinderte Betätigung. Was wäre es noch wert“, fragt der DJV-Vorsitzende, „wenn der DJV oder die dju je nach betrieblichem Organisationsgrad laufende Tarifverhandlungen nur aus der Ferne beobachten könnten?“ Das Schreiben schließt mit der Aufforderung:

„Diese Einheit wollen wir nicht. Ich bitte Sie, helfen Sie mit, die drohende Gesetzeskeule zu verhindern! Den DJV wissen Sie dabei an Ihrer Seite.“
(PR/KMH) Foto Anja Cord

 

Tarifverhandlungen für wen?

18. Dezember 2013

Seit einem halben Jahr verhandeln DJV, verdi und BDZV über einen neuen Gehaltstarifvertrag für Tageszeitungsredakteure

In Berlin läuft seit dem heutigen Mittag die sechste Runde der Tarifverhandlungen für Redakteure an Tageszeitungen. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat vorab erklärt, er sei zu einem Tarifabschluss bereit. Sollte es heute in Berlin dazu kommen, dann sind die Vereinbarungen für die meisten Tageszeitungsmitarbeiter im Freistaat nicht unmittelbar relevant. Das ist das sächsische Resultat von Tarifflucht in sehr unterschiedlichen Nuancen. Während bei der Freien Presse in Chemnitz von Anfang an jegliche Tarifbindung abgelehnt wurde, standen Sächsische Zeitung (SZ) und Leipziger Volkszeitung (LVZ) den Flächentarifen zunächst nicht ablehnend gegenüber. Die LVZ, einschließlich der Dresdener Neuesten Nachrichten, gehört dem Verlegerverband an und sicherte bis 2011 die volle Tarifbindung. Bei der Sächsischen Zeitung gilt die Bindung an den Flächentarifvertrag über einen Haustarifvertrag. Allerdings wurden hier seit dem Jahr 2000 durch den DD+V veränderte Strukturen geschaffen, bei denen Neueinstellungen nun nicht mehr der Tarifbindung unterliegen. Nur hier bei der SZ gibt es also einen „Altbestand“ an tarifgebundenen Redakteuren. Ein weiterer Aspekt der Tarifumgehung ist die zunehmende Verlagerung der redaktionellen Arbeit auf Freie und die sogenannten Pauschalisten, ja selbst auf Leihredakteure. Der DJV Sachsen hat diese Situation in einem Schreiben Landtagsabgeordnete kritisiert und bei den Politikern um Unterstützung bei dem Ringen um flächendeckende Tarifbindung geworben. In dem Brief des DJV Sachsen heißt es: „Werden Sie aktiv, unterstützen Sie uns dabei, den Tarifverträgen in der Zeitungsbranche wieder die Bedeutung zu verschaffen, die ihnen zusteht!“

Einzig vom Arbeitsmarktpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag Stefan Brangs liegt bisher eine offizielle Anwort vor. Das Ignorieren von Tarifverträgen, so Brangs, werde zu Recht vom DJV an den Pranger gestellt. Gute Arbeit, sei es im Journalismus oder in jeder beliebigen Branche, werde über gute Arbeitsbedingungen und faire Gehälter garantiert, so der SPD-Politiker.

…und damit dieser Beitrag nicht einfach so im Netz steht, sei die DJV-Forderung hier nochmals deutlich gemacht:

Der DJV Sachsen fordert alle sächsischen Zeitungsverlage auf, ihre Mitarbeiter entsprechend Tarif zu beschäftigen und zu vergüten!    


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